DIE MARQUISE VON O.

Schauspiel nach der Novelle von Heinrich von Kleist

adaptiert von Silvia Armbruster

 

Koproduktion mit Theatergastspiele Kempf und dem Theater Lindau

nominiert für den INTHEGA-Preis „Neuberin“ 2014

 

Die Marquise – Lisa Wildmann

Frau von G., ihre Mutter – Ursula Berlinghof

Herr von G., ihr Vater – Christian Kaiser

Ein russischer Leutnant – Sebastian Strehler 

 

Regie: Silvia Armbruster 

Bühnenraum & Kostüme: Stefan Morgenstern

Dramaturgie: Susanne Hindenberg

Maske: Helen Laitzsch

Produktionsleitung: Hans Piesbergen

 

Kleists berühmte Novelle von Liebe und Scham, und der Selbstfindung des Menschen.

Ein abgelegener Landsitz in Italien, eine zurückgezogene Witwe in den besten Jahren. Der Krieg bricht über sie herein, beinahe wird sie Opfer einer Vergewaltigung. Im letzten Moment kann ein junger, russischer Leutnant sie retten. Ein Engel scheint er ihr zu sein. Wochen später stellt sie fest, dass sie schwanger ist.

Aber wie? Und von wem?

Eine ungewöhnliche Suche nach dem Kindsvater beginnt…

 

Es ist eine der rätselhaftesten und ungeheuerlichsten Geschichten über die Liebe und die Scham.

In „Die Marquise von O…“ eröffnet erst die große Lebenskrise der Marquise den Weg ins Glück, nicht nur durch einen Emanzipations- sondern auch durch einen Selbstfindungsprozess: Die Marquise emanzipiert sich nämlich nicht nur von ihrer Familie und von der Meinung der Leute. Sie gesteht sich schließlich auch ihre über Jahre verdrängte Weiblichkeit und sexuellen Bedürfnisse ein. Erst so wird es ihr möglich, in dem Leutnant den Menschen zu akzeptieren, der seinen Fehler bereut. Er ist weder Engel noch Teufel. Er ist – wie sie selbst – Mensch mit allen Unzulänglichkeiten.

Zum Glück und zur Selbstverwirklichung eines Menschen gehört, so scheint uns Kleist sagen zu wollen, nicht nur die Befreiung vom Urteil anderer, sondern auch die Bereitschaft, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist.

Silvia Armbruster 

Eruptive Ausbrüche aus der Harmonie

Theater Wahlverwandte macht aus großartigen literarischen Stoffen großes Theater: zeitgemäß in der Form, zeitlos in der Botschaft. Es geht um Selbstfindung, um Selbstachtung, Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein. Es geht um Emanzipation. Alle inneren Veränderungen deuten sich an, verstärken sich, gleich in welcher Rolle. Tosender, anhaltender Beifall. Für kongeniale Schauspieler und herausragende Inszenierung.

 

Braunschweiger Zeitung

Dieser Stoff klingt reichlich angestaubt und klischeehaft, doch dem Ensemble „Theater Wahlverwandte“ gelang es meisterlich, einen Bogen von klassischen Texten und Sequenzen zu modernen Wendungen zu schaffen. Überdies zeigten die Schauspieler auch die ungeheure Komik, die hinter Kleists Werk steckt. So schaffte es das Ensemble zu zeigen, dass Kleists Werk auch nach über 200 Jahren noch aktuell und sehenswert ist.

 

Augsburger Allgemeine

Diese Novelle mit ihren widersprüchlichen Erzählsträngen als Theaterstück – geht das? Wie grandios so etwas gelingen kann, bewies die Bühnenfassung und Inszenierung von Silvia Armbruster. Mit federleichter Hand und pfiffigen Ideen hat Silvia Armbruster die Balance zwischen absoluter Werktreue und moderner Inszenierung geschaffen – und ein wunderbares spielfreudiges Ensemble zur Hochform auflaufen lassen.

 

Allgäuer Zeitung

Regisseurin Silvia Armbruster hat daraus einen Theatertext destilliert, der vollkommen modern wirkt. Wer Pathos erwartet, wird enttäuscht. Das ist wohltuend. Der Regisseurin gelingen packende, verstörende Bilder.

 

Schwäbische Zeitung Lindau

Termine

Termine in Vorbereitung

Zum Inhalt

Die Marquise von O. ist eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und führt seit dem Tode ihres Mannes ein äußerst zurückgezogenes Leben bei ihren Eltern. Eine zweite Vermählung lehnt sie ab. Sie widmet sich ganz ihren Pflichten als Mutter und Tochter.

Dann bricht der Albtraum des Krieges über sie herein. Sie, die Pflichtbewusste, Enthaltsame, wird beinahe das Opfer einer Vergewaltigung. Gerade noch rechtzeitig kann ein junger russischer Leutnant sie retten. Ein Engel scheint er ihr zu sein. Sie verlieben

sich rettungslos. Auch sie, die doch nicht mehr lieben will. Als alles zu viel wird, sinkt sie in Ohnmacht.

Wochen später stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Aber von wem? Und wie? Ihre Eltern verlangen Aufklärung über den Kindsvater. Ein heftiger Familienstreit entbrennt, an dessen Ende der Vater ihr das Umgangsrecht mit ihren Kindern entzieht und sie kurzerhand vor die Tür setzt.

Auf die nächstliegende Möglichkeit kommt niemand.

Um nicht irre zu werden, klammert sich die Marquise an das Einzige, was ihr geblieben ist: das Kind in ihr. Und sie fasst einen ungewöhnlichen Entschluss: Dem Spott der Welt zum Trotz veröffentlicht sie in der Zeitung eine Annonce, in welcher sie den Kindsvater auffordert sich zu melden, sie wäre entschlossen, ihn zu heiraten, wer immer er auch sei.

Als Kindsvater meldet sich: der junge russische Leutnant. Die Eltern sind erleichtert, die Marquise ist erschüttert. Ausgerechnet ihr Engel scheint ihr nun ein Teufel. Eine lange Zeit noch ist sie unerbittlich in ihrem Zorn auf sein moralisches Fehlverhalten. Doch schließlich siegen die Liebe und das Verzeihen.

Kleist

Heinrich von Kleist (1777 – 1811) stand im literarischen Leben seiner Zeit jenseits der etablierten Lager und der Literaturepochen. Bekannt ist er vor allem für die Theaterstücke „Das Käthchen von Heilbronn“, „Der zerbrochne Krug“, „Amphitryon“ und „Penthesilea“ .

Mit seinen berühmten Novellen, vor allem „Michael Kohlhaas“ und „Die Marquise von O…“, erweist er sich als Meister der Erzählkunstund gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Novellisten seiner Zeit.

„Solche Texte hatte man noch nicht gelesen, solche Stücke noch nicht gesehen. Seine Analysen waren der Geschichte, seine Bilder und Formen der Literaturgeschichte voraus.“

Herbert Kraft

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